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Gründen mit Franchisesystem

Franchise: Selbstständig unter einem Markendach

Mit Franchise kannst du auch ohne eigene Geschäftsidee schnell und sicher gründen. Worauf es dabei ankommt, erklären wir dir an einem Beispiel aus Halle (Saale).

Ilona Kröselberg blickt auf acht Jahre als Inhaberin einer Filiale von Janny’s Eis in der Geiststraße in Halle zurück. Bevor sie das Geschäft übernahm, kannte sie das Franchise-Unternehmen mit seinen über 100 Eisdielen nicht. Dann erzählte ihr ein Kollege von Janny’s. 

Für die gelernte Drogistin war es die richtige Idee zur richtigen Zeit. 2012 hatte sie ihren Job verloren und der Arbeitsmarkt bot der damals 55-Jährigen keine Chance. Nach fast 40 Jahren im Einzelhandel brauchte es eine neue Herausforderung. Als in Halle (Saale) eine Janny’s-Eisdiele aus Altersgründen abgegeben werden sollte, nutzte Ilona die Gelegenheit. Franchising hatte für die Quereinsteigerin viele Vorteile. 


Franchise – was ist das überhaupt?

Franchising ist eine Kooperation selbstständiger Unternehmer*innen unter einem Markendach. Franchise-Geber*innen stellen ein am Markt erprobtes Konzept zur Verfügung und Franchise-Nehmer*innen setzen es um. Gegen eine Franchise-Gebühr können Franchise-Nehmer*innen den Namen, das Design und die Geschäftsidee verwenden. Im Gegenzug erhalten sie Unterstützung beim Aufbau des Unternehmens, im Vertrieb und im Marketing.


Schon im Einzelhandel hatte Ilona mit Expert*innen unter anderem aus dem Bereich Marketing zusammengearbeitet. Professionalität ist für sie entscheidend, und der Faktor Professionalität war es auch, der sie vom Janny’s-Konzept überzeugte.

Das Franchise-System gab ihrer Selbstständigkeit den passenden Rahmen, mit dem sich der Schritt für Ilona richtig angefühlte. „Ich bin gelernte Drogistin und keine Konditorin, Bäckerin oder Eismacherin“, sagt die Unternehmerin. Dank Janny’s könne sie trotzdem über das ganze Jahr Eis in gleichbleibend hoher Qualität anbieten. Das sei für sie genauso maßgeblich bei der Entscheidung gewesen wie die perfekte Gestaltung und Werbung. „Das Design von Janny‘s hat einen hohen Wiedererkennungswert und zieht sich durch – vom Eisbecher bis zur Kaffeetasse. Ein perfekter Look“, sagt sie. 


Vor- und Nachteile von Franchise

+ erprobtes Geschäftsmodell 
+ bekannte Marke
+ Corporate Design bereits entwickelt
+ Support von der Zentrale (z.B. Hilfe bei der Objektsuche, Businessplan, Bankgespräch, Buchführung, Marketing)
+ Know-how im Netzwerk
+ verteiltes Risiko
+ höhere Kreditwürdigkeit


– wenig Raum für eigene Gestaltung
– Zahlungen an Franchise-Geber*innen
– fremde Geschäftsidee
– Risiko der Markenschädigung durch andere


Nach Vertragsunterzeichnung ging es für sie nach Schleswig in eine Ausbildungsfiliale. Ein dreiwöchiges Training umfasste alle Aspekte des Arbeitsalltags und machte sie fit, einen Janny’s-Shop erfolgreich zu führen. „Werbemittel erstellt die Werbeabteilung. Das spart unendlich viel Zeit und Geld“, sagt die Franchise-Nehmerin. Nicht nur das Geschäftsmodell hat die Gründerin überzeugt, sondern auch die Betreuung.

Bei laufendem Betrieb standen neben der korrekten Zubereitung der Eisbecher, Snacks und Kaffeespezialitäten auch das Ein- und Ausräumen der Theke sowie die Reinigung der Maschinen und des Ladens auf dem Lehrplan. „Ich habe die ersten Tage gedacht: Lieber Himmel, hoffentlich schaffst du das alles“, sagt Ilona, wenn sie an ihre Anfänge denkt. „Aber mit viel Unterstützung kann man das alles lernen und man bekommt Routine, das ist kein Problem.“ 


Zahlen + Fakten

In ganz Deutschland gab es 2020 etwa 930 Franchisesysteme**, die von 139.000 Franchisepartner*innen umgesetzt wurden. Die beliebtesten Branchen für Franchise in Deutschland sind dabei: Gastronomie + Hotellerie, Bildung, Einzelhandel, Dienstleistungen und Gesundheit, Fitness und Wellness. Gemeinsam setzten die Franchiseunternehmen 135 Milliarden Euro um. Tendenz steigend. Im Jahr 2004 lag der Umsatz noch bei 39,1 Milliarden Euro.


Über neue Kreationen und News halten die Ansprechpartner*innen von Janny’s Ilona seit dem Start über das Intranet oder Seminare auf dem Laufenden gehalten. Mit der gesamten Janny’s-Eis-Community trifft sie sich immer im Januar bei der Jahrestagung. „Da wird das komplette neue Konzept – die neuen Becher und Eissorten – für das Folgejahr vorgestellt“, sagt die Unternehmerin. „Auch der Marketingkreis kommt bei der Gelegenheit zusammen, in dem auch einige der Shop-Inhaber aktiv sind.“ Austausch sei für sie wichtig, besonders wenn er in lockerer Runde stattfindet.

Ilona kennt ihre Ansprechpartner*innen bei Janny’s alle persönlich. Wenn es Fragen gibt, weiß sie, an wen sie sich wenden muss. Es gebe Ansprechpartner*innen für das Qualitätsmanagement, für die Buchhaltung, für die Werbung und die Bestellungen. Groß sei die Verwaltung nicht, aber auf Zack. Entweder würden Dinge kurzfristig per Telefon oder E-Mail geklärt oder einer der Gebietsleiter komme auf seiner nächsten Runde vorbei. „Das ist wirklich eine tolle Unterstützung“, so Ilona. 


Finanzierung

Wie viel Eigenkapital du benötigst, um Franchise-Nehmer*in zu werden, ist stark vom jeweiligen Franchisesystem abhängig. Fakt ist: Beim Gründen entstehen neben den Kosten für eventuelle Beratungen, Termine beim Notar oder behördliche Genehmigungen auch Kosten für das vorgeschriebene Grundinventar.

Zusätzlich wird bei Vertragsabschluss eine Eintrittsgebühr an den/die Franchise-Geber*in fällig. Danach kommt eine monatliche Franchisegebühr auf dich zu. Miete und Personal sind Extra-Posten. Die Startkosten können demnach etwas höher sein, wenn du auf Franchise setzt. Dafür startest du aber mit einer Marke, die man kennt und die dir im Idealfall schnell eine Stammkundschaft beschert.


Vieles sei bei Janny’s Arbeitsteilung – bis auf alles Kaufmännische und das Personal. Die Frage, ob man hinter dem Tresen auf studentische Kräfte setzt, ob man Teilzeit oder Vollzeit anstellt, und die Gehaltsfragen sind Sache der Chefin. Was jemand ihrer Meinung nach mitbringen müsste, um mit einer Janny’s-Eis-Filiale durchzustarten? „Eine kaufmännische Ausbildung wäre gut. Und wenn die Person etwas von Gastronomie verstehen würde, wäre das ebenfalls sinnvoll“, sagt Ilona. „Der- oder Diejenige sollte ein guter Gastgeber, eine gute Gastgeberin sein. Das merkt der Kunde.“

Ein Kinderspiel sei das Ganze nicht, stellt die Unternehmerin klar. „Man muss sich kümmern. Aber wenn man mit Liebe dabei ist, macht das richtig Spaß.“ Ilona hat mittlerweile das Rentenalter erreicht und möchte in der Eissaison 2022 nur noch als Minijobberin hinter dem Tresen stehen. Aktuell sucht sie für ihre Filiale in der Geiststraße in Halle eine*n Nachfolger*in. Ihr Fazit nach acht Jahren Janny’s Eis: „Für mich war das eine gute Sache und ich habe es von Herzen gerne gemacht.“ 


Klick-Tipp:

Das Franchise-Portal gibt dir einen Überblick über mögliche Franchisesysteme in Deutschland. Auf der Website kannst du unter anderem deine Interessen und dein Eigenkapital mit den Konzepten abgleichen und ein Franchisemodell finden, das zu dir passt: www.franchiseportal.de.


Veröffentlicht am 23. November 2021

Autorin: Anne Breitsprecher
Fotografin: Carolin Krekow