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Metallbearbeitung Mierwald: Vom Luxus-Autohaus zur eigenen Metall-Firma

Thomas Bauer erlebt filmreife Unternehmensnachfolge mit Turbulenzen und Happy End im Salzlandkreis.

Schönebeck. Es klingt nach dem Plot für einen Hollywood-Streifen. Vermögender Kunde bietet dem Auto-Verkäufer seines Vertrauens die eigene Firma zum Kauf an. Bedingung: Er muss den Laden erst einmal als Angestellter kennenlernen. Doch zum 70. Geburtstag des Chefs erfolgt die Übernahme, so das Versprechen.  

Thomas Bauer ist genau das passiert. Für ihn begann der lang gehegte Traum von der Selbstständigkeit als Serviceleiter in einem Leipziger Luxus-Autohaus. „Der Vorbesitzer meiner heutigen Firma war mein Kunde“, erzählt der 42-Jährige. „Er hatte mehrere Wagen bei uns gekauft, von daher war die Kundenbetreuung auch etwas intensiver.“ Aus Altersgründen und weil niemand aus der Familie die Nachfolge antreten wollte, sollte die Metallbearbeitung Mierwald in Schönebeck vor den Toren Magdeburgs in neue Hände übergeben werden.

In Thomas Bauer fand sich nach langer erfolgloser Suche ein potenzieller Kandidat. „Technikinteressiert war ich schon immer und in die Selbstständigkeit zu gehen, war durchaus mein Ansporn“, sagt der Unternehmer. „Irgendwann wurde ich mal zu einem Blick in die Halle nach Schönebeck eingeladen. Das war natürlich faszinierend.“

Gute Aussichten

In seiner „Metall-Bude“ wie Thomas den eigenen Betrieb liebevoll nennt, wird bereits seit 1921 Metall bearbeitet. Ging es am Anfang um das Drehen von Kleinteilen oder zu DDR-Zeiten um Gestelle für Sessel, werden seit Jahrzehnten erfolgreich Teile für Medizin-, für Pumpen- oder Anlagentechnik gefertigt. Für den gelernten Kfz-Mechaniker komplettes Neuland.

„Hätte man mich drei Tage vorher gefragt, hätte ich gesagt, etwas anderes als das Kfz-Wesen kommt für mich nicht infrage“, erinnert sich der Unternehmer und lacht. Sein Chef im Autohaus dachte damals nicht, dass er wirklich ernst machen würden, doch im September 2013 war er weg. Die größere Nähe zum Wohnort Aschersleben und die Aussicht auf ein gut laufendes Unternehmen mit treuer Stammkundschaft überzeugten den Familienvater.


Rückhalt im Team

In der Metallbearbeitung Mierwald startete Thomas als Fertigungsleiter auf Führungsebene. Nach vielen anderen Übernahmekandidaten, die alle abgesprungen waren, hatte der Neue zunächst einen schweren Stand im Team. Er musste sich die fehlenden Branchenkenntnisse aneignen und sein Durchhaltevermögen unter Beweis stellen. Während der ersten Monate las Thomas viel – sowohl Fachliteratur als auch Betriebsunterlagen. „Ich habe en gros Stunden geschrubbt.“

Er stellte sich an die großen computergesteuerten Dreh- und Fräsmaschinen und den Bandsägeautomaten und lernte, wie man damit arbeitet. So viel Engagement machte Eindruck auf seine künftigen Angestellten. Anfängliche Skepsis verwandelte sich in Unterstützung. Ein wesentlicher Faktor. Ohne den Rückhalt im Team hätte er die Firma nicht übernommen, sagt der Inhaber rückblickend.


Belastungstest bringt neue Erfolge

Nachdem er die Abläufe verstanden hatte, führte Thomas im Unternehmen einen Belastungstest durch. Er zog Tempo und Stückzahl in der Produktion an. Nach guten Jahren mit stabilem Umsatzniveau wollte er wissen, wohin die Reise noch gehen kann. Immer vor Augen hatte er die hohen Qualitätsansprüche, die unter anderem die Produktion von Teilen für künstliche Gelenke mit sich bringt. „Jedes Produkt hat Einfluss auf das Leben der Menschen, das sollte man nicht vergessen“, sagt Thomas. „Geht etwas kaputt, muss noch mal operiert werden. Das ist immer mit einer zusätzlichen Belastung für den Patienten verbunden.“ Die „sportlichen Jahre“ zeigten, was alles noch machbar war. Die Umsätze stiegen. Mit dem Erfolg kamen jedoch auch die ersten Probleme.


Komplikationen beim Verkauf

Das Loslassen fiel dem Noch-Besitzer angesichts der rosigen Aussichten schwerer als gedacht. Beim Notartermin Ende 2016 eskalierte die Situation. „Es tauchten Punkte auf, die so nicht bekannt waren“, erinnert sich der Nachfolger. Bis zur Übertragung von laufenden Verträgen auf den Nachfolger verging fast ein Jahr, was auch Strafzinsen für Kreditverträge bedeutete.

Nach stressigen Verhandlungen setzte Thomas ein Ultimatum. So kam es endlich zur Übernahme. Damit hörten die Schwierigkeiten jedoch nicht auf. Erst im dritten Jahr nach dem Verkauf endete die letzte Gerichtsverhandlung mit dem Vorbesitzer. „Es lief insgesamt doch etwas unrund, aber ich würde es wieder machen. Das war eine gute Lernphase“, sagt Thomas.

„Es lief insgesamt doch etwas unrund, aber ich würde es wieder machen. Das war eine gute Lernphase.“  — Thomas Bauer

Beratung ist alles

Ohne kompetente Beratung auf vielen Ebenen wäre es allerdings nicht zum Kauf der Firma gekommen, davon ist der Nachfolger überzeugt. Insbesondere sein Steuerberater sei wichtig gewesen, als es um die Bewertung des Unternehmens und des geforderten Kaufpreises ging. „Dann natürlich der Rechtsbeistand. Allein unser Notarvertrag hatte 56 Seiten und kostete 35.000 Euro. Daran denkt man vorher nicht.“

Auch die Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer Magdeburg spielten eine wichtige Rolle, nicht nur in beratender Funktion. „Ich habe zwar unzählige Qualifikationen, komme aber aus einer ganz anderen Branche“, sagt Thomas. „Für die Übernahme hätte ich noch meinen Feinwerkmechanikermeister machen müssen.“ Theoretisch. Thomas präsentierte sein Berufsleben in einem dicken Ordner, stellte unter Beweis, dass er qualifiziert ist, und erhielt eine unbefristete Anerkennung des Meistertitels. Der Kontakt zu den Kammern gehörte zu den angenehmsten und unkompliziertesten während des Übernahmeprozesses, wie er sagt.


Finanzierung und Digitalisierung

Die Punkte Finanzierung und Absicherung auf der To-do-Liste gestalteten sich etwas schwieriger. „Mit war es leider nicht vergönnt, so viel Geld auf dem Konto zu haben“, sagt Thomas und lacht. „Das Kreditinstitut wollte das Darlehen am liebsten mit 170 Prozent absichern. Es musste realistisch bleiben.“ In der Bürgschaftsbank fand der Gründer schließlich einen geeigneten Partner, der einen Teil des Kredits absicherte. Der Vorbesitzer erhielt eine Komplettausschüttung und Thomas Bauer startete 2017 mit seiner frisch gekauften Firma quasi bei null. Um Dinge neu anzuschieben, nutzte er ein Liquiditätsdarlehen der Investitionsbank Sachsen-Anhalt.

Die Digitalisierung, die der Jung-Unternehmer vorantrieb, war ein wesentlicher Schlüssel zu mehr Transparenz für Team und Kundschaft. Server und Netzwerk ersetzten unübersichtliche Ordner, Online-Banking den Weg zur Bank und digitale Rechnungen den Postweg. „Es ist einfacher für uns“, sagt Thomas. „Ich habe keine Zeit zum Suchen, ich muss schnell aussagefähig sein. Wenn ich einem Kunden nicht innerhalb kürzester Zeit antworten kann, mache ich etwas falsch.“


Wandel des Betriebsklimas

Schnelligkeit, Qualität und Flexibilität sind die Maxime der Metallbearbeitung Mierwald GmbH unter der neuen Führung. Ohne ein gutes Team können diese Versprechen jedoch nicht gehalten werden. Thomas erhöhte die Löhne und gab bis zu 30 Urlaubstage. „Von allem, was reinkommt, werden erst die Rechnungen bezahlt und der Rest wird unter allen aufgeteilt. Ich muss davon nicht reich werden, aber es muss funktionieren.“

Kurze Wege zum Chef, freie Getränke, Verpflegung und gemeinsame Aktivitäten in der Firma veränderten das Arbeitsklima zusätzlich zum Besseren. „Es ist ein Familienunternehmen und mein Team ist die Familie“, so Thomas. Eine Einstellung, die gut ankommt. Viele der 24 Mitarbeitenden, die in drei Schichten für einen laufenden Betrieb sorgen, wurden durch seine Angestellten angeworben.


Vom Salzlandkreis in die Welt

Seine eigene Familie sieht Thomas Bauer seit der Übernahme nicht so häufig, wie ihm eigentlich lieb wäre. Das soll sich dringend ändern. Obwohl ein normaler Arbeitsalltag aktuell noch nicht in Sicht ist, genießt er es, sein eigener Chef zu sein und mit seiner Firma etwas bewegen zu können. Er muss niemanden mehr fragen, kann selbst entscheiden, wie er seine Ziele erreichen möchte. Die Kunden seien sehr loyal und sehr zufrieden mit der Arbeit in seiner Metall-Firma. Mit einigen habe er sogar einen Dreijahresplan. Das mache natürlich Spaß, sagt Thomas. Den nächsten Schritt nach vorne plant er bereits. Übernahmen von Firmen in anderen Bundesländern seien ein Thema für die nahe Zukunft.

„Liebend gerne würde ich noch eine Firma in der Nähe abdecken. Ich bin schon ein Stück weit Lokalpatriot. Ich habe einen gewissen Ehrgeiz, hier etwas zu bewegen“, sagt der Inhaber. „Wir sind nicht der Nabel der Welt, aber man kennt unsere Firma. Unsere Produkte kommen weltweit zum Einsatz. Es ist eine gute Firma und die steht nun mal hier im Salzlandkreis und nicht in Köln oder Hamburg.“

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