Gute Aussichten
In seiner „Metall-Bude“, wie Thomas den eigenen Betrieb liebevoll nennt, wird bereits seit 1921 Metall bearbeitet. Ging es am Anfang um das Drehen von Kleinteilen oder zu DDR-Zeiten um Gestelle für Sessel, werden seit Jahrzehnten erfolgreich Teile für Medizin-, für Pumpen- oder Anlagentechnik gefertigt. Für den gelernten Kfz-Mechaniker komplettes Neuland.
„Hätte man mich drei Tage vorher gefragt, hätte ich gesagt, etwas anderes als das Kfz-Wesen kommt für mich nicht infrage“, erinnert sich der Unternehmer und lacht. Sein Chef im Autohaus dachte damals nicht, dass er wirklich Ernst machen würden, doch im September 2013 war er weg. Die größere Nähe zum Wohnort Aschersleben und die Aussicht auf ein gut laufendes Unternehmen mit treuer Stammkundschaft überzeugten den Familienvater.
Rückhalt im Team
In der Metallbearbeitung Mierwald startete Thomas als Fertigungsleiter auf Führungsebene. Nach vielen anderen Übernahmekandidaten, die alle abgesprungen waren, hatte der Neue zunächst einen schweren Stand im Team. Er musste sich die fehlenden Branchenkenntnisse aneignen und sein Durchhaltevermögen unter Beweis stellen. Während der ersten Monate las Thomas viel – sowohl Fachliteratur als auch Betriebsunterlagen. „Ich habe en gros Stunden geschrubbt.“
Er stellte sich an die großen computergesteuerten Dreh- und Fräsmaschinen und den Bandsägeautomaten und lernte, wie man damit arbeitet. So viel Engagement machte Eindruck auf seine künftigen Angestellten. Anfängliche Skepsis verwandelte sich in Unterstützung. Ein wesentlicher Faktor. Ohne den Rückhalt im Team hätte er die Firma nicht übernommen, sagt der Inhaber rückblickend.
Belastungstest bringt neue Erfolge
Nachdem er die Abläufe verstanden hatte, führte Thomas im Unternehmen einen Belastungstest durch. Er zog Tempo und Stückzahl in der Produktion an. Nach guten Jahren mit stabilem Umsatzniveau wollte er wissen, wohin die Reise noch gehen kann. Immer vor Augen hatte er die hohen Qualitätsansprüche, die unter anderem die Produktion von Teilen für künstliche Gelenke mit sich bringt. „Jedes Produkt hat Einfluss auf das Leben der Menschen, das sollte man nicht vergessen“, sagt Thomas. „Geht etwas kaputt, muss noch mal operiert werden. Das ist immer mit einer zusätzlichen Belastung für den Patienten verbunden.“ Die „sportlichen Jahre“ zeigten, was alles noch machbar war. Die Umsätze stiegen. Mit dem Erfolg kamen jedoch auch die ersten Probleme.
Komplikationen beim Verkauf
Das Loslassen fiel dem Noch-Besitzer angesichts der rosigen Aussichten schwerer als gedacht. Beim Notartermin Ende 2016 eskalierte die Situation. „Es tauchten Punkte auf, die so nicht bekannt waren“, erinnert sich der Nachfolger. Bis zur Übertragung von laufenden Verträgen auf den Nachfolger verging fast ein Jahr, was auch Strafzinsen für Kreditverträge bedeutete.
Nach stressigen Verhandlungen setzte Thomas ein Ultimatum. So kam es endlich zur Übernahme. Damit hörten die Schwierigkeiten jedoch nicht auf. Erst im dritten Jahr nach dem Verkauf endete die letzte Gerichtsverhandlung mit dem Vorbesitzer. „Es lief insgesamt doch etwas unrund, aber ich würde es wieder machen. Das war eine gute Lernphase“, sagt Thomas.
„Es lief insgesamt doch etwas unrund, aber ich würde es wieder machen. Das war eine gute Lernphase.“ — Thomas Bauer