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KH Fahrzeugpflege: Liebe, Lack und Mikrofaser

Schmutzige Autos poliert Kai Herrmann in Bad Dürrenberg auf Neuwagenniveau. Ein Service mit Potenzial und treuer Kundschaft.

Bad Dürrenberg. Ob Porsche Cayenne, Lamborghini Diablo oder VW Bulli – Kai Herrmann hatte sie alle. Und doch brachte nicht die Faszination für bestimmte Autos den 40-Jährigen zur Fahrzeugpflege. Eine andere Leidenschaft war der Grund. „Ich liebe den Vorher-Nachher-Effekt, wenn man aus den Automobilen wieder richtige Diamanten gemacht hat“, sagt Kai. Der Existenzgründer sitzt hinter einem antik aussehenden Schreibtisch in seiner Werkstatt in Bad Dürrenberg und seine Augen strahlen.

Talent als Teenager entdeckt

Schon mit 14 Jahren entdeckte Kai seine Hingabe in Sachen Autoreinigung. Damals machte er ein Schülerpraktikum in einem Autohaus. Der Geschäftsführer hatte ein Herz für den ausdauernden Teenager mit dem Blick für Details und erkannte sein Talent. So verdiente sich Kai nach Schulschluss und am Wochenende ein Taschengeld mit dem Aufbereiten von Fahrzeugen. „Es ging gar nicht mal nur ums Geld, obwohl es cool war, dass ich mir selbst ein Moped zusammensparen konnte“, erinnert sich der Reinigungsexperte. „Ich vergesse bei der Fahrzeugpflege oft die Zeit und tauche richtig ab.“

Wenn er von intensiver Fahrzeugwäsche spricht, von dreistufiger Lackaufbereitung oder polymerer Versiegelung, dann hat das nicht im Entferntesten etwas mit der Angebotswäsche und einer 50-Cent-Staubsauger-Einheit an der Tanke zu tun. Eine Reinigung, die Kais hohen Qualitätsansprüchen entspricht, ist viel mehr als das. Mittelmaß ist nicht sein Ding.


„Cockpit-Spray kann jeder“

„Lackreparaturen an Spiegelblenden, Stoßstangen oder Felgen, Scheinwerferaufbereitung, Glasveredelung mit Lotuseffekt, Polster- und Lederreinigung, Teppich trocken oder nass, Verkleidung, Griffe, Knöpfe“, zählt er auf und ist damit noch lange nicht am Ende des Komplettprogramms. „Innen arbeite ich ausschließlich mit Dampf, um den Staub in den feinen Ritzen zu entfernen. Gegen Gerüche und Bakterien hilft eine Ozonbehandlung“, sagt Kai. „Cockpit-Spray kann schließlich jeder draufmachen. Meine Kunden möchten keine glänzenden Armaturen.“


Keramikaufbereitung als Alleinstellungsmerkmal

Kais Klientel wünscht sich Genauigkeit und Liebe. Seine Stammkunden kommen aus einem Umkreis von 80 Kilometern nach Bad Dürrenberg. Nicht selten geht es ihnen um Oldtimer, Youngtimer oder Leasing-Rückläufer, Autos mit ideellem und materiellem Wert. Kai sorgt mit seiner Aufbereitung dafür, dass dieser Wert erhalten bleibt und die Fahrzeuge wie Neuwagen glänzen und duften.

Um das hinzubekommen, hat er für jedes Pflegeproblem die richtige Lösung. Doch es war eine besondere Dienstleistung, die ihn davon überzeugte, sich selbstständig zu machen. „Die Keramikaufbereitung. Davor hatte ich vor einer Gründung zu viel Angst. Nach der Weiterbildung war mir klar: Das lohnt sich.“ Nicht viele Werkstätten würden sich an diese spezielle Lackbeschichtung wagen. Dabei seien die Effekte enorm. Dreck und Wasser könnten einem Neuwagen nach der Keramikbehandlung drei Jahre nichts mehr anhaben. Für die Durchführung der besonderen Versiegelung braucht Kai jedoch absolute Ruhe. Weil er nun sein eigener Chef ist, kann er sich die nehmen, sich seine Zeit selbst einteilen.

„Ich bin ganz nah am Kunden und kann mich voll auf meine Leidenschaft konzentrieren, das macht das Leben deutlich leichter." — Kai Herrmann

Ohne Stammkunden keine Selbstständigkeit

Doch nicht nur die Keramik, auch der Zuspruch seiner Autoliebhaber*innen brachte den gelernten Fahrzeuglackierer 2019 dazu, die Fahrzeugpflege im Nebengewerbe abzumelden. Nun ging Kai mit seinem Service aufs Ganze und machte sich hauptberuflich selbstständig. Profitiert hat er dabei auch vom Gründungszuschuss der Arbeitsagentur. „Ich habe aus der Arbeitslosigkeit gegründet und so zusätzlich zum verlängerten Arbeitslosengeld monatlich 300 Euro bekommen“, so Kai. „Das Geld habe ich direkt in Betriebsvolumen investiert und zum Beispiel eine Mischbank für Lacke angeschafft.“  

Ein geeignetes Objekt für den Firmenstandort war weniger leicht zu bekommen. Am liebsten wäre er in seinem Heimatort Leuna geblieben. Fündig wurde er schließlich nur fünf Kilometer weiter in Bad Dürrenberg. Ein altes Autohaus erfüllte dort alle Bedingungen. Nur hatte es 18 Jahre lang leer gestanden.  


Rumpelkammer in Firmensitz verwandelt

„Das war eine richtige Rumpelkammer“, erinnert sich Kai. Energisch deutet er auf die Dachfenster. „Die hat man vor lauter Dreck gar nicht aufbekommen. Es war August und wegen der großen Glasfront hatten wir hier 40 Grad.“ Ein Glück, dass das Gebäude auf einen Putzprofi traf, der die Dinge gern selbst in die Hand nimmt und auf Mikrofaser schwört.

Nach vier Monaten intensiver Arbeit hatte sich der Familienvater sein ideales Umfeld für die Fahrzeugpflege geschaffen. Ölabscheider, Hebebühne und eine mobile Lackabsaugung: Erst mal standen Investitionen an. Auch einen Werkstattersatzwagen legte er sich zu, um sich von anderen Anbieter*innen abzuheben und „hundert Prozent abliefern zu können“. Ohne seine Ersparnisse und ohne Stammkund*innen hätte er sich das nicht getraut.  

Dass es richtig war, sich selbstständig zu machen, daran hat er nun keine Zweifel mehr. „Ich bin ganz nah am Kunden und kann mich voll auf meine Leidenschaft konzentrieren, das macht das Leben deutlich leichter.“

Sein Traumauto? „Ich sitze jeden Tag in so vielen Traumautos, dass sich der Reiz ein wenig verliert.“ Sein Herz hängt an einer alten Mercedes-C-Klasse. „Den Wagen habe ich Kurti abgekauft, meinem Lieblingskunden“, erinnert sich Kai. „Er ist vor ein paar Jahren gestorben. Das Auto und ein alter Emaille-Eimer aus Kurtis Garage sind für mich unbezahlbar.“

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