Im Dschungel der Fachbegriffe?

HIER. ist der Kompass.

Schlank gründen

Was ist die Lean Startup-Methode?

Du hast gute Ideen, aber nur wenig Zeit und/oder Geld? Das kein Grund, deine Business-Ideen in die Mülltonne zu kippen. Stattdessen könnte die Methode des Lean Startup etwas für dich sein. Der US-Unternehmer Eric Ries hat sie entwickelt und mehrere Bücher dazu geschrieben, er bloggt darüber und hat viele Menschen – darunter auch die Führungsebenen großer Konzerne – überzeugt. Vielleicht bekommst auch du damit deine Geschäftsidee auf die Straße. Womöglich sogar „schnell, risikolos und erfolgreich“ – wie der Buchtitel zugegeben etwas reißerisch verspricht.

Was heißt Lean Startup?

„Lean“, also „schlank“, hat natürlich nichts mit besonders fitten und schlanken Gründer*innen zu tun. Es geht darum, eine Produktidee möglichst schlank zu entwickeln, bis sie Erfolg verspricht oder eben scheitert. Die Grundlage dafür ist kontinuierliches Testen des Produkts unter Einbeziehung der Kundschaft. Dafür wird schon in frühen Entwicklungsphasen Feedback eingeholt, das Rückschlüsse in der Produktentwicklung nach sich zieht. Für seinen Begriff Lean Startup ließ sich Eric Ries übrigens von der japanischen Autoindustrie inspirieren. Die um die Mitte des 20. Jahrhunderts bei Toyota entwickelte „lean manufacturing revolution“ („Revolution der schlanken Fertigung“) beinhaltete neben einer Achtsamkeit für Ideen und Wissen der Arbeiter*innen auch die Herstellung von Produkten in kleineren Losgrößen und die Just-in-Time-Produktion. Während noch in den 80er-Jahren neue Modelle deutscher Autos alle acht Jahre auf den Markt kamen, gab es alle vier Jahre neue Versionen zum Beispiel eines Toyota Corolla. Die Idee dahinter war, jegliche Verschwendung von Ressourcen zu vermeiden, erfolglose Entwicklungsentscheidungen schnell ausbügeln zu können und in Folge eine höhere Kundenzufriedenheit zu erzielen.


Die Grundidee hinter der Lean Startup-Methode

Eric Ries sieht den Sinn eines Startups nicht in erster Linie darin, Produkte oder Dienstleistungen zu konzipieren, herzustellen und anzubieten. Nach seiner Vorstellung besteht sein eigentlicher Daseinszweck darin, einen Lernprozess in Gang zu setzen: Wie baut man ein tragfähiges Geschäftsmodell auf? Statt wie bei einer klassischen Produktentwicklung über einen langen Planungszeitraum mit genauen Vorgaben einen Prototypen zu erstellen, startet ein Lean Startup mit einer eher vagen Idee und sprintet dann los, um möglichst schnell Feedback von potenziellen Kunden zu bekommen. Ein praktisches Beispiel: Du stellst fest, dass in einem Viertel, wo viele Startups arbeiten, keine Versorgung mit veganem Mittagstisch besteht. Deine Idee: Das biete ich an! Statt nun aber gleich ein Restaurant zu eröffnen, eine Speisekarte zu erarbeiten, nach passenden Räumen oder einem Foodtruck und Mitarbeiter*innen zu suchen, ermittelst du nach der Lean Startup-Methode erst einmal den Bedarf. Das kann über eine Webseite, Handzettel, Straßenumfragen und Social Media erfolgen.

Erst wenn die Resonanz positiv ausfällt, entwirfst du dein Minimum Viable Product, kurz MVP, optimierst es nach dem Build-measure-learn-Zyklus und korrigierst gegebenenfalls mit einem Pivot deine Strategie. Diese drei Begriffe solltest du kennen, wenn du ein Lean Startup werden willst. Diese Herangehensweise eignet sich besonders gut, wenn sehr ressourcenschonend gearbeitet werden muss, z. B. wenn du nebenberuflich gründest, du als Solopreneur startest oder bootstrappst. Heute ist die Methode zum Standard in der Startup-Welt in den USA und Europa geworden.


Grau ist alle Theorie: Lean Startup im Schnelldurchlauf

Das klingt spannend für dich? Dann solltest du dich zuerst mit den wichtigsten Begrifflichkeiten der Lean Startup-Methode vertraut machen. Lies im folgenden Absatz, was man sich konkret unter MVP, Build-Measure-Learn-Zyklus und Pivot vorstellen kann.

Mit dem MVP geht es los

Das Minimum Viable Product ist sozusagen der erste Produktschritt, das „kleinstmögliche funktionsfähige Produkt“. Wenn deine Bedarfsanalyse für einen veganen Mittagstisch positiv ausgefallen ist, legst du damit los. Komponiere beispielsweise eine einzige leckere Bowl. Mehr Gerichte brauchst du für den Anfang nicht.

Bauen, messen, lernen – vom MVP zur Erkenntnis

  • Build, Measure, Learn – so heißt das Prinzip im Original. Um das Produkt immer besser zu machen, wiederholt das Lean Startup den Prozess fortwährend, bis die Test-Kunden zufrieden sind. Um beim Beispiel zu bleiben:
  • Bereite deine Bowl zu (build).
  • Lass Freunde, Verwandte und Bekannte deine Bowl probieren und hole ihr ehrliches Feedback ein (measure).
  • Verbessere deine Bowl gemäß dem Feedback (learn).

Pivot – das Fähnchen im Wind

Und was ist, wenn deine Idee nicht funktioniert, niemand dein Gericht mag? Eric Ries sagt: Gib nicht auf, sondern ändere deine Strategie. „Pivot“ („Drehung“) ist sein Schlagwort dafür. Orientiere dein Produkt an den Gegebenheiten: Den potenziellen Kunden ist die vegane Bowl zu langweilig – überlege, ob nicht doch Pizza oder Pasta die bessere Wahl wäre. Muss es überhaupt vegan sein? Ob du allerdings im Extremfall eine 180-Grad-Drehung – vom veganen Imbiss zur Currywurstbude – hinlegen möchtest, musst du letztlich selbst entscheiden.

Ein schönes Beispiel für eine Firma, die einen Pivot hingelegt hat, ist das 2003 gegründete US-Unternehmen Android. Die gleichnamige Software sollte ursprünglich eine leistungsstarke Plattform für Digitalkameras sein. Doch 2004 begann der Siegeszug der Smartphones und die zu erwartenden Verkaufszahlen von Digitalkameras brachen ein. Das Startup entschied sich dafür, der veränderten Marktsituation zu folgen und baute binnen weniger Monate den vorhandenen Code um in ein Open-Source-System für Smartphones. Der Rest ist Geschichte: Google kaufte die Firma 2005, heute ist Android weltweiter Marktführer bei Handy-Betriebssystemen.


Buchtipp: „Lean Startup“ von Eric Ries

Aus Fehlschlägen lernt man. Das verstand der 1978 geborene US-Unternehmer, Berater und Autor Eric Ries, nachdem er als Mitgründer einer Firma baden ging. Ries sah das Problem darin, dass in vielen Unternehmen lange und hart daran gearbeitet wird, ein qualitativ überzeugendes Produkt herzustellen – das aber letztlich niemand braucht. Viele Firmen, so Ries, verstehen die Bedürfnisse ihrer Zielkunden nicht richtig und verbrennen unnötig viel Zeit und Energie bis zur Produkteinführung. Inspiriert von japanischen Produktionsprinzipien, entwickelte er das Konzept des Lean Startup und veröffentlichte 2011 das Buch „Lean Startup: Schnell, risikolos und erfolgreich Unternehmen gründen“. Wenn du tiefer in die Materie einsteigen willst, solltest du in das Buch reinschauen. Es ist gut lesbar und bringt viele anschauliche Fallbeispiele aus echten Unternehmen.


Vor- und Nachteile der Lean Startup-Methode

Pro

  • Du entwickelst mit geringen Mitteln ein simples MVP, statt viel Aufwand in einen komplexen Prototyp zu stecken, führst Kundenbefragung schon in der Entwicklungsphase durch statt hinterher – es liegt auf der Hand, dass die Anfangskosten sich bei dieser Art von Gründung in Grenzen halten. Die finanziellen Risiken sind überschaubarer.
  • Einfach machen, statt lange zu grübeln. Wenn du deinen Build-Measure-Learn-Zyklus konsequent durchziehst, wird das Produkt am Ende wahrscheinlich richtig gut. Wenn nicht, kommst du vielleicht auf eine ganz neue, noch bessere Idee.

Contra

  • Ein mögliches Problem ist die mangelnde Kundenzufriedenheit: Wenn das MVP in den Markt geht und es die potenziellen Kunden nicht zufriedenstellt, werden sie möglicherweise nicht wiederkommen. Du solltest dir sehr gut überlegen, was für dich persönlich und für die Zielgruppe die Untergrenze beim MVP deines speziellen Angebots ist. Unterschreitest du sie, wird der Build-Measure-Learn-Zyklus wahrscheinlich nicht lange funktionieren, da die Kunden wegbleiben und dein Ruf darunter leidet.

Diese großen Unternehmen wurden als Lean Startups gegründet

Dropbox: Einer der Gründer vergaß bei einem Meeting seinen USB-Stick und dachte fortan über die Bereitstellung einer Cloudlösung nach. Sein MVP stellte das Startup als Youtube-Video der Welt vor – noch bevor die technische Lösung existierte.

Pebble: Die Entwickler der Smartwatch Pebble testeten ihr MVP 2012 über eine Crowdfunding-Kampagne. Sie war extrem erfolgreich, das Unternehmen konnte sich aber dennoch nicht auf dem Markt behaupten. Sie verkauften ihre Patente.

Twitter: Das Unternehmen entwickelte eigentlich eine Plattform für Podcasts, reagierte aber schlau auf den Markteintritt des übermächtigen Rivalen Apple und setzte fortan auf Kurznachrichten.


Fazit

Du hast eine gute Geschäftsidee, bist aber unsicher, ob sie funktioniert? Mit der Lean Startup-Methode kannst du herausfinden, ob dein Konzept eine Chance hat, ohne dich gleich hoffnungslos zu verschulden. Das Konzept des US-Unternehmers Eric Ries setzt darauf, erst einmal mit möglichst geringen Mitteln herauszufinden, ob deine Idee überhaupt die Bedürfnisse der Kundschaft trifft. So sparst du Zeit und Geld und kommst im Laufe des Entwicklungszyklus möglicherweise auf eine noch viel bessere Idee.