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Salon am Stadtbad: Typveränderung für Traditionsgeschäft

Friseurmeisterin Jane Dobe startet mit Vorher-Nachher-Effekt in die Selbstständigkeit.

Halle. Wo das Stadtbad ist, weiß in Halle jedes Kind. Im Jahr 1915 wurde die hallesche Badeanstalt eröffnet. Über hundert Jahre sind vergangen, in denen Generationen von Hallenser*innen in den historischen Becken schwimmen gelernt haben. Eine Geschichte, mit der der benachbarte Salon am Stadtbad nur schwer mithalten kann, auf ein paar kleinere Jubiläen kommt er aber auch.

Bereits seit über zehn Jahren geht es in der Zinkstgartenstraße 15 Ponys an die Längen, bekommen Strähnchen Farbe und Bärte eine Form. Jane Dobe hat das Unternehmen 2018 übernommen. „Durch den Namen und die Lage kennt den Laden wirklich jeder“, sagt die Friseurmeisterin aus Halle.

Eine gute Ausgangsbasis für eine Existenzgründung. Dabei waren der Friseurberuf und die Selbstständigkeit für die 32-Jährige anfangs gar kein Thema. Sie wollte zur Polizei. „Ausbildungsstellen waren rar“, erinnert sich Jane. Mit der Karriere als Ordnungshüterin oder bei der Bundeswehr hat es damals nicht geklappt, deshalb versuchte sie es als Lehrling in einem Friseursalon. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich Talent beim Haare-Eindrehen habe. Das hat richtig Spaß gemacht. Ich bin lieber zur Arbeit als zur Berufsschule gegangen“, sagt Jane und lacht.

Mit dem Meistertitel zur Salonleitung

Doch beim Blick auf den Gehaltszettel war der jungen Frau schnell klar: Da geht noch mehr. „Heute sind die Löhne für Friseure schon andere, aber damals hat man deutlich weniger verdient.“ Für Jane ein Ansporn, trotz der Liebe zur praktischen Arbeit auch noch die Meisterschule zu absolvieren. „Ich war zum Glück nicht allein“, sagt Jane. „Den Meister habe ich zusammen mit einer Schulfreundin gemacht. Wir haben uns gegenseitig motiviert.“

Zurück im ehemaligen Ausbildungssalon übernahm sie direkt die Leitung – und das zu besseren Konditionen. Lehrlinge anlernen, Organisation, Teamführung: So hätte es weitergehen können. Jane stand ihre Frau. Das sprach sich herum. Sie sammelte Berufserfahrung, wurde sogar abgeworben. Doch irgendwann war für die Mutter von zwei Kindern klar: Eine neue Herausforderung muss her.

Ihr Mann ergriff schließlich die Initiative. „Er wollte er sich mit einer Kfz-Werkstatt selbstständig machen“, erzählt die Friseurin. „Er vereinbarte einen Termin bei der Handwerkskammer in Halle und meldete auch gleich für mich Bedarf an.“ Von da an ging es Schritt für Schritt in die Selbstständigkeit. „Meine Beraterin Frau Kolb war mein Mittelpunkt. Ob Businessplan, Kalkulation oder Bankfähigkeit, ich konnte mich mit allen Fragen an sie und ihre Kollegen wenden. Das war viel Arbeit für die Handwerkskammer (HWK)“, sagt die Hallenserin und lacht.

„Ich gehe das Risiko einfach ein, denn ich bin überzeugt, im Laden steckt noch ganz viel Potenzial und der Aufwand lohnt sich.“  — Jane Dobe

Vom Neuanfang zur Unternehmensnachfolge

Und auch der entscheidende Tipp für die Räumlichkeiten kam von der HWK. Jane war kurz davor, einen zu großen Laden zu mieten, ein Kompromiss nach mehreren erfolglosen Besichtigungen. Die Verhandlungen liefen schon und der Raumplaner wollte gerade loslegen, da kam der Anruf der Handwerkskammer und das Angebot zur Nachfolge im Salon am Stadtbad.

„Mein erster Gedanke war: Jetzt fängst du wieder bei null an“, sagt Jane. Doch gerade das erwies sich als Trugschluss, denn das Unternehmen konnte nicht nur bereits schwarze Zahlen vorweisen, sondern auch Kundschaft. Für das Bankgespräch und die Kreditvergabe ein klarer Vorteil. Zusätzlich überzeugten Quadratmeterzahl und Lage.

Gemeinsam mit der HWK prüfte Jane den Mietvertrag geprüft und auch bei der Schätzung des Unternehmens sowie der Vertragsgestaltung für die Übernahme gab es hilfreiche Tipps der Kammer-Expert*innen. Jane profitierte außerdem von der Meistergründungsprämie, einem Zuschuss der Investitionsbank Sachsen-Anhalt für Existenzgründer*innen im Handwerk in Höhe von 10.000 Euro. „Das hat gut geholfen, gerade zum Überbrücken der Umbauphase.“
 


Umbau wird zum Gemeinschaftsprojekt

Eine Maßnahme, die sich nicht verhindern ließ. Der Laden war etwas in die Jahre gekommen. Um Janes Traum vom eigenen lichtdurchfluteten, modernen Salon zu verwirklichen, bedurfte es einer grundlegenden Sanierung. „Der Fußboden, die Decken, es gab einiges zu tun“, erinnert sie sich. Gemeinsam mit dem Vorbesitzer des Salons, der HWK und dem Vermieter saß sie zusammen und suchte nach Lösungen. Schließlich übernahm der Hausbesitzer die Kosten für die baulichen Veränderungen. „Das war so toll. Eine große Hilfe“, freut sich die Unternehmerin noch heute.

Richtig los ging es im August 2018 erst einmal im alten Zustand. Der Umbau war für das Frühjahr 2019 geplant, doch die Typveränderung für den Salon am Stadtbad hatte begonnen. Jane übernahm nicht nur einen Laden mit Möbeln, Werkzeug und Material, sondern auch ein eingespieltes Team mit sieben Angestellten. „Ich war gerade 30 Jahre alt bei der Übernahme. Eine aufregende Zeit. Wir hatten insgesamt ein Jahr, um uns kennenzulernen und herauszufinden, ob es für alle passt.“ Am Ende passte es nicht ganz.

Vom ursprünglichen Team arbeiten noch zwei Kolleginnen im Salon. Mit Jane besteht das Team nun aus fünf Leuten: vier Friseur*innen und eine Kosmetikerin. Das sei ein guter Schlüssel, sagt Jane.


Neue Chefin, neues Image, neue Angebote

Worauf es der Gründerin in der Zusammenarbeit ankommt? „Die Qualität muss stimmen und es muss harmonisch sein im Team. So wie es jetzt ist, ist es perfekt.“ Schulungen sind für sie wichtig. Auch auf hochwertige Farb- und Pflegeprodukte legt Jane wert. Die Dienstleistungspalette im Salon wächst. Haarverlängerungen, 3-D- oder 5-D-Wimpernverdichtungen oder Shellac-Nägel sind Teil des Angebots. Ein Entwicklungsprozess, mit dem die junge Unternehmerin noch lange nicht am Ende ist.

Look und Image des Salons am Stadtbad bekamen eine Generalüberholung. Die Ausstattung tauschte Jane nach dem Umbau komplett aus.  Es ist mehr Platz zwischen den Bedienplätzen und das Terminbuch ist heute digital. „Man muss immer investieren, gerade am Anfang“, sagt die Jungunternehmerin. Aber die Ängste, sich finanziell zu übernehmen, seien ausgestanden. „Ich gehe das Risiko einfach ein, denn ich bin überzeugt, im Laden steckt noch ganz viel Potenzial und der Aufwand lohnt sich.“ Jane ist sich sicher: „Die Selbstständigkeit ist das Beste, was mir passieren konnte.“

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