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Baby Sweets: Zwei Männer und ein Baby-Shop

Tom Wachsmann und Tino Hartmann landen E-Commerce-Erfolg mit exklusiven Stramplern und Social Media Marketing. 

Zöschen. Er gehört zu den klassischen Glücksbringern: der Marienkäfer. Auch das E-Commerce-Startup Baby Sweets aus Zöschen ließ der gepunktete Krabbler nicht im Stich. „Wir verdienten unser Geld am Anfang mit Affiliate-Marketing“, sagt Tom Wachsmann. Über ihre Facebook-Seite promoteten er und Partner Tino Hartmann Kinderkleidung verschiedenster Anbieter. Bei erfolgreich vermitteltem Online-Kauf erhielten sie eine Provision. Heraus kam ein guter Nebenverdienst. Doch dann kam der Marienkäfer.

„Eine Lehrerin in Elternzeit hatte in ihrem eBay-Shop einen niedlichen Marienkäfer-Strampler im Sortiment. Bei unseren Fans kam der so gut an, dass er nach kurzer Zeit ausverkauft war“, erinnert sich Tom.

Erfolgsstory beginnt auf dem Rasen

Was diesen Strampler von vielen anderen unterschied? Ein besonderes Design und emotionale Produktfotos, die die junge Mutter selbst geschossen hatte. Die Baby-Sweets-Macher verstanden es wiederum, den Strampler ihrer Community richtig zu verkaufen. Für Tom und Tino war klar: Auf diese drei Komponenten kommt es an. Der Erfolg gibt ihnen recht. Heute betreiben die beiden „Deutschlands süßesten Baby-Shop“ und vermelden regelmäßig neue Umsatzrekorde. Mit Glück hat das nicht viel zu tun, eher mit einem guten Geschäftssinn. Die beiden wissen genau, wie ihre Zielgruppe denkt und fühlt.

Angefangen hat die Erfolgsstory von Tino und Tom nicht im Netz, sondern auf dem Rasen. Die beiden Hallenser spielten lange Fußball im Verein. Als der drei Jahre ältere Tino zum BWL-Studium nach München zog, verlagerte sich das Spielfeld ins Internet. Aus Spaß programmierten sie zusammen ein Fußball-Manager-Spiel. Tom, der nach der Schule eine Ausbildung zum Mechatroniker machte, sagt: „Wir gründeten damals eine kleine GbR. Irgendwann verkauften wir das Spiel sogar. Mehr als ein Taschengeld haben wir nicht verdient, aber es hat Spaß gemacht.“ Seitdem ließ das Internet mit seinen finanziellen Möglichkeiten sie nicht mehr los.


Beim Pullover-Kauf hat es “Klick” gemacht

Eine Facebook-Anzeige führte 2014 zum nächsten Schritt. „Mir wurde dieser Pullover in meiner Timeline empfohlen und ich habe einfach auf ‚Kaufen‘ geklickt“, erinnert sich der Jungunternehmer. Es war beinahe intuitiv, und doch war Tom klar: „Durch diesen Klick hat jemand ohne großes Zutun eine Provision verdient. Das hat mich inspiriert.“ Eine Firma, um ins Provisionsgeschäft einzusteigen, hatten er und Tino durch die GbR bereits. Fehlten nur noch geeignete Produkte, die sich gut bewerben ließen.

Tom durchforstete alle Kategorien auf der Amazon-Website. Er ging systematisch vor. Der Baby-Bedarf hatte das meiste Potenzial: Produkte mit großer Emotionalität, ideal für Onlinekäufe, bei denen es sofort “Klick” machen muss. „Der Name Baby Sweets ist mir dabei spontan eingefallen“, so der 31-Jährige.


100.000 Follower*innen sind begeistert

Sie erstellten eine Facebook-Seite und ihre Posts sowie die darauf verlinkten Produkte trafen den Nerv einer schnell wachsenden Käuferschaft. Die Provision steckten sie direkt wieder ins Marketing. „Wir haben viel ausprobiert, sowohl in der Ansprache der Kund*innen als auch bei der Produktauswahl“, sagt Tom. Tinos Freundin Christin war dabei immer die direkteste Kritikerin und zum Zeitpunkt der ersten Postings schwanger. „In dieser Phase haben wir gelernt, dass das Storytelling superwichtig ist.“ Nach einem Jahr hatten sie bereits 100.000 Follower*innen auf Facebook.

Als Nächstes wollten sie einen Online-Marktplatz für Anbieter besonderer Kindermode entwickeln. Den Businessplan schrieben sie innerhalb einer Woche anhand von Vorlagen aus dem Netz. Tino und Tom wussten, was Websites kosten, kannten ihren Budgetrahmen und hatten gute Kontakte. Und doch brauchte es für diesen nächsten Schritt Kapital und einen professionellen Blick von außen. „Mit dem Businessplan in der Hand ging ich 2016 zu Univations in Halle“, erinnert sich Tom. „Beim Investforum Startup-Service, dem Beratungsprojekt für Startups, habe ich mich und unser Vorhaben vorgestellt und nach drei Minuten wurde ich gefragt, wobei uns denn noch geholfen werden soll? Das war ein gutes Gefühl.“ Hilfe gab es trotzdem.

„Viele Investoren gibt es in Mitteldeutschland nicht und die Suche ist aufregend. Ich hatte zu dieser Zeit viele schlaflose Nächte.“ — Tom Wachsmann

Erster Pitch sichert Anfangsgehalt

Durch die De-minimis-Beihilfe für Existenzgründer entstanden für die Beratung keine Kosten. Univations-Geschäftsführer Daniel Worch ging mit den Gründern nicht nur an den Feinschliff des Business-Plans, sondern brachte Tino, Tom und Baby Sweets zur Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Sachsen-Anhalts (MBG). Einen Pitch später war ihnen eine fünfstellige Summe aus dem Mikromezzaninfonds sicher. Vorteil der stillen Beteiligung: Das wirtschaftliche Eigenkapital erhöht sich, ohne Sachsicherheiten stellen zu müssen. Das Anfangsgehalt für die Baby-Sweets-Gründer und die Kosten für die Entwicklung der Plattform konnten so gedeckt werden.

Eigentlich der Moment, um richtig durchzustarten. Doch es folgte ein Tiefschlag. Die externen Website-Entwickler, die für die Programmierung engagiert wurden, waren nach der Auftragsvergabe weg und mit ihnen 5000 Euro. Der Betrug war aber kein Grund aufzugeben. Anstelle eines aufwendig programmierten Online-Marktplatzes für viele Anbieter entschieden sie sich, ihren ersten eigenen Baby-Sweets-Shop zu starten. Kleinerer Entwickler-Aufwand, große Umsatz-Wirkung.


Ein Regal, ein Büro, vier Mitarbeiter*innen

Mit ihrem Angebot konnten sie die Nachfrage kaum decken. Im August 2016 stapelten sich die Produkte in Tinos Wohnzimmer in München voller Produkte. Tom war weiterhin in Halle und es wurde beiden allmählich klar: So konnte es nicht weitergehen. Sie mussten das Unternehmen an einem Standort vereinen.  

In Leipzig fand Baby Sweets ein neues Zuhause. Startaufstellung: ein Lagerregal, ein Büro und vier Mitarbeiter*innen auf 90 Quadratmetern. Ein Jahr später waren es schon sieben Mitglieder im Team, das kleine Lager wurde immer voller und der Platz langsam knapp. „Bei der MBG erhielten wir noch einmal einen Wachstumskredit in Höhe von 75.000 Euro. Eine Summe, die wir vor allem in Büromöbel, das Lager und unsere Mitarbeiter*innen investierten“, sagt Tom.  


Steuerberater beendet Investorenpoker

Zeitgleich liebäugelten die Jungunternehmer auch mit Investoren, doch keiner der Kandidaten habe zu hundert Prozent gepasst. „Viele Investoren gibt es in Mitteldeutschland nicht und die Suche ist aufregend. Ich hatte zu dieser Zeit viele schlaflose Nächte“, erinnert sich Tom. „Einen Tag, nachdem wir das Thema vorerst für beendet erklärt hatten, meldete sich ein potenzieller Geldgeber von selbst.“

Müde vom Hin und Her der vorangegangenen Verhandlungen gingen Tom und Tino aufs Ganze. Sie verdoppelten die geschätzte Bewertung ihres Unternehmens und forderten mehr Geld, als sie es ursprünglich geplant hatten, nur um die Sache schnell zu beenden. Ein mutiger Vorstoß mit überraschendem Ende. Nach wenigen Minuten kam es zum Deal über 100.000 Euro. „Die Chemie hat einfach gestimmt“, sagt Tom. „Wenn ich mir einen Business Angel hätte wünschen können, dann diesen. Bis heute unterstützt er uns auch als unser Steuerberater.“  

Im Jahr 2017 erzielten sie das erste Mal einen Umsatz in Höhe von einer Million Euro. Ihre Kundschaft konnte nicht genug bekommen und wollte immer neue hochwertige Kinderkleidung. Der Schritt zur ersten eigenen Kollektion war für Tino und Tom dann nur ein kleiner. Eine Textil- und Webdesignerin stieß zum Team dazu und in Polen war das richtige Partnerunternehmen für die Produktion schnell gefunden. Seither kreieren sie ständig neue Kollektionen der Eigenmarke Baby Sweets und entwickeln Bestseller nach den Wünschen ihrer Kund*innen weiter.  


Rückkehr nach Sachsen-Anhalt

Alle Zeichen standen weiter auf Wachstum, da machte die IBG Beteiligungsgesellschaft Sachsen-Anhalt dem Startup ein Angebot, das sie erst mal ablehnen mussten. „Wir waren vermutlich die Ersten, die abgesagt haben“, sagt Tom und lacht. „Aber wir hatten gerade erst das Geld von unserem Business Angel bekommen. Der Zeitpunkt war einfach ungünstig.“ Ein Jahr später gingen sie darauf ein und erhielten 1,2 Millionen Euro, um erneut in Mitarbeiter, das Lager und Produkte zu investieren. Die einzige Bedingung der IBG: ein Firmenstandort in Sachsen-Anhalt.

Im Pflaumenbaumweg in Zöschen fanden sie alles, was Baby Sweets brauchte, um aus den Kinderschuhen zu wachsen: eine geräumige Büroetage und ein ausbaufähiges Lager. Stolz zeigt Tom die heiligen Hallen, in denen gerade wieder eine Lieferung ausgepackt wird. „Das eigene Lager ist für uns sehr wichtig“, sagt Tom. Nur so könne man dem eigenen Anspruch an Qualität und Schnelligkeit gerecht werden. „Es ist halt unser Baby und ich habe es gern in der Nähe.“ Im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Unternehmer wohnt sogar am Firmenstandort. Wo es mit Baby Sweets noch hingehen soll? „Ich weiß nicht, ich träume immer nur in Etappen. Ich wollte immer eine GmbH gründen, einen eigenen Steuerberater und ein eigenes Büro. Das haben wir alles bereits erreicht.“

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