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byte robotics: Der Code für die Fabrik der Zukunft

Magdeburg. Ohne den Menschen kann ein Roboter nichts. Hinter jeder Bewegung, die eine Maschine in der Industrie ausführt, steckt aufwendige Programmierung. Spezialisten müssen jedem neuen Roboter in unzähligen Arbeitsstunden beibringen, was er zu tun hat. „Effizient ist das nicht“, sagt Erik May. „Was beim Einsatz von Robotern eingespart wird, entsteht hier wieder als Aufwand für menschliche Arbeitskraft – und die ist sogar noch teurer.“ An flexible Roboter-Nutzung sei so kaum zu denken, egal ob auf großen Fertigungsstraßen oder in kleineren Produktionslinien.

Programmierung auf Knopfdruck

Damit sich das ändert, gründet der Ingenieur vor einem Jahr gemeinsam mit vier Mitstreitern byte robotics. Das Startup hat eine Lösung für genau dieses Effizienzproblem. Es liefert eine Software, die klassische Algorithmik, Künstliche Intelligenz und analytische Mathematik kombiniert und automatisch Programme für Industrieroboter erstellt. „Wir generieren in Minuten, wofür Experten sonst Tage oder Wochen brauchen“, sagt CEO Erik May.

Der Roboter erhält sein Programm per Knopfdruck. Herzstück der Technologie ist ein Plugin, das sich in wenigen Minuten nahtlos in bestehende Programmier-Tools integrieren lässt. Prozesse müssen nicht angepasst werden, der Umstieg ist schnell, sicher und effizient. Der Programmieraufwand sinkt deutlich. Alles in allem – ein Novum. Oder wie Mitgründerin Leona Grulich, verantwortlich für das Marketing, es formuliert: „Wir stehen an einem Wendepunkt, wo Technologie und industrielle Anforderungen zusammenfinden.“ Der Vorteil liegt auf der Hand: „Es bleibt mehr Zeit fürs Kerngeschäft.“ Gleichzeitig adressiert die Software ein weiteres Problem: Weil die Programmierung oft den größten Kostenfaktor darstellt, setzen manche Unternehmen Roboter gar nicht oder nicht wirtschaftlich ein. Byte robotics richtet sich deshalb nicht nur an Industriebetriebe, sondern auch an Hersteller von Programmiersoftware. 


Von der Forschung ins Unternehmen

Was einfach klingt, ist hochkomplex. Hinter der Technologie stecken Jahre an Entwicklung- und Forschungsarbeit, tiefes mathematisches Know-how sowie der Einsatz von KI und Algorithmen. Offiziell gründet sich byte robotics im Sommer 2024 – die Wurzeln reichen jedoch weiter zurück. Die Geschichte beginnt 2020 im universitären Forschungsprojekt VIP+ AuRora. Ziel ist es schon damals, Programmierzeiten und -kosten drastisch zu reduzieren, unabhängig vom Robotertyp oder Hersteller. „Für uns war das von Anfang an ein hochrelevantes Thema für Industrie und Gesellschaft“, sagt May.

Das Interesse aus der Industrie ist damals sofort groß. Die Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg entwickeln einen Prototypen, testen und validieren ihn. Schließlich reift die Entscheidung zur Ausgründung. „Wir wollten dahin, wo die Anwender sind“, sagt May. „Viele haben großartige Ideen, trauen sich aber nicht, daraus ein Unternehmen zu machen. Wir wollten nicht, dass unsere Idee versandet.“

Die Gründer vernetzen sich früh und nutzen ihren Vorsprung: Sie arbeiten sich seit Jahren tief in die Materie ein, schließen erste Absichtserklärungen und sammeln Praxiserfahrung. Parallel bewerben sie sich erfolgreich um den EXIST-Forschungstransfer des Bundeswirtschaftsministeriums. Businessplan, Pitches, Anträge, rechtliche Fragen, Teamentscheidungen – jeder Tag bringt neue Herausforderungen. Unterstützung kommt aus dem Umfeld. „Gerade bei administrativen Hürden haben uns engagierte Partner aus Unternehmen und Universität sehr geholfen“, sagt May.



Gründen zwischen Pitch und Praxis

„Wichtig war bei der Gründung auch, den Fokus für das Produkt nicht aus den Augen zu verlieren“, betont Leona Grulich. Ihr Rat an andere Gründer: früh sichtbar werden, sich bei Innovationswettbewerben zu präsentieren, Feedback einholen. „Es ist extrem wichtig, sich zu zeigen und Kontakte zu knüpfen und unbedingt Förderprogramme wie EXIST zu nutzen.“

Heute ist byte robotics bei vielen auf dem Schirm. Die Software ist mehrfach preisgekrönt. Beim wichtigsten Digitalwettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums gewinnt das Startup 2025 gleich doppelt: den Gründungspreis+ und den Fokuspreis „Innovative KI“. Dennoch bleibt der Weg anspruchsvoll. Das Team ist auf Messen präsent, investiert viel in Vertrieb und Marketing und richtet den Blick auch auf den internationalen Markt. Denn der Bedarf wächst: Die Zahl der Maschinen steigt, während Fachkräfte knapper werden. Gleichzeitig übernehmen Roboter immer mehr präzise, wiederkehrende Aufgaben. Und mit zunehmender Automatisierung dürfte auch der Bedarf an benutzerfreundlichen Programmier-Lösungen wachsen. 


Warum Sachsen-Anhalt überzeugt

Davon überzeugt, steigt 2025 die bmp Ventures AG ein, die die Risikokapitalfonds des Landes managt und innovative Unternehmen unterstützt. Für byte robotics ist das ein wichtiger Schritt – aber längst nicht der einzige Grund, warum das Team auf Sachsen-Anhalt setzt. Ein entscheidender Faktor ist das Lebensumfeld. „Wir sind hier verwurzelt“, sagt Leona Grulich, die nach Stationen in Lüneburg, Dubai und Irland bewusst zurückgekehrt ist. Kurze Wege, vergleichsweise niedrige Lebenshaltungskosten und eine gute Infrastruktur, etwa bei Kita-Plätzen, sprechen für den Standort. Dazu kommen optimale Arbeitsbedingungen: In der Experimentellen Fabrik in Magdeburg findet das Team ein innovationsfreundliches Umfeld. „Kurze Wege zu Uni, Fraunhofer und Deep-Tech Startups bieten einen einzigartigen Ort“, sagt May. 

Der Blick nach vorn bleibt, trotz aller guter Voraussetzungen, realistisch. Neun Mitarbeiter arbeiten inzwischen für byte robotics – von Entwicklern bis Vertriebsspezialisten und vertrauen darauf, „dass die Bewegungen im Markt sich weiter beschleunigen“. Ausgerechnet die Automotive-Branche und der Sondermaschinenbau gelten als eher zurückhaltend gegenüber neuen Lösungen. Der Markteintritt erfordert also Geduld und Überzeugungsarbeit. „Wir befinden uns momentan in einem ständigen Status zwischen Fokus und Anpassung“, sagt Erik May und setzt wie in den Jahren zuvor auf Mut, Optimismus und Durchhaltewillen: „Byte robotics ist ganz vorne mit dabei und wird die Zukunft der Robotik in Europa mitgestalten. Und zwar hier in Sachsen-Anhalt.“

veröffentlicht am: 11.06.2026